Welche Nährstoffe brauchen Kinder wirklich?

Übersicht & Empfehlungen für Eltern

Welche Nährstoffe brauchen Kinder wirklich?

Verfasst von Simone Kotthoff
Aktualisiert 28. April 2026
8 Min Lesezeit
Die kurze Antwort

Die meisten Kinder in Deutschland sind über eine ausgewogene Mischkost ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Kritisch sind in der Praxis aber regelmäßig Vitamin D, Eisen, Omega-3 und Jod, sowie bei veganer oder stark einseitiger Ernährung zusätzlich Vitamin B12.
Welche Nährstoffe für dein Kind tatsächlich relevant sind, hängt von Alter, Ernährungsweise und Lebenssituation ab, nicht von einer pauschalen Empfehlung.

Wann ist eine Ergänzung relevant und wann nicht?

Sinnvoll

Wenn folgendes zutrifft:

  • dein Kind sich vegan oder vegetarisch ernährt
  • es eine sehr einseitige Ernährung hat (wählerischer Esser)
  • ein nachgewiesener Mangel über einen Bluttest vorliegt
  • es im Winterhalbjahr (Oktober bis März) wenig Sonnenlicht abbekommt
Nicht nötig

Wenn folgendes zutrifft:

  • dein Kind ausgewogen isst (alle Lebensmittelgruppen)
  • es sich oft draußen aufhält (April bis September)
  • keine Beschwerden auftreten und keine ärztlichen Hinweise vorliegen
  • ein Bluttest unauffällige Werte zeigt

Eine prophylaktische Supplementierung "zur Sicherheit" ist meist nicht nötig und kann bei fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) und Eisen sogar problematisch werden.

Welcher Nährstoff für welches Kind?

Welche Nährstoffe für dein Kind tatsächlich relevant sind, hängt von Ernährung, Lebenssituation und individuellen Faktoren ab. Hier die wichtigsten Konstellationen mit konkreten Empfehlungen.

Wenn dein Kind sich vegan ernährt

B12 ist Pflicht — immer supplementieren. Zusätzlich Vitamin D, Eisen, Omega-3 (DHA aus Algenöl), Zink und Jod im Blick behalten. Die DGE rät von einer veganen Ernährung im Kindesalter ohne ärztliche Begleitung und gezielte Supplementierung ausdrücklich ab.
Mehr zur veganen Ernährung

Wenn dein Kind sich vegetarisch ernährt

Eisen und Vitamin B12 prüfen lassen. Bei Mädchen ab der Pubertät besonders auf Eisen achten. Omega-3 lässt sich teilweise über Leinöl (ALA) abdecken, für DHA/EPA ist ein Algenöl-Präparat sinnvoll.
Mehr zur vegetarischen Ernährung

Wenn dein Kind im Winterhalbjahr kaum draußen ist

Vitamin D ist von Oktober bis März für die meisten Kinder in Deutschland relevant. Die DGE empfiehlt 20 μg (800 IE) pro Tag, wenn die körpereigene Bildung über die Haut nicht ausreicht.
Mehr zu Vitamin D bei Kindern

Wenn dein Kind häufig Infekte hat

Erst zum Kinderarzt, dann Bluttest. Geprüft werden sollten typischerweise Eisen (Ferritin), Vitamin D und je nach Symptomatik Zink. Erst dann supplementieren — nicht ins Blaue hinein.
Mehr zum Immunsystem

Wenn dein Kind ein wählerischer Esser ist

Schau systematisch was fehlt. Kein Fleisch oder Fisch → Eisen, B12, Omega-3 prüfen. Keine Milchprodukte → Calcium, B12, Jod. Wenig Obst und Gemüse → Vitamin C, Folat. Im Zweifel: Bluttest plus qualifizierte Ernährungsberatung.
Mehr zu wählerischen Essern

Wenn dein Kind sehr sportlich ist

Bei mehreren intensiven Trainingseinheiten pro Woche Magnesium und Eisen im Blick behalten und für ausreichende Trinkmenge sorgen. Eine generelle "Sportler-Supplementierung" für Kinder ist nicht nötig.
Mehr zu sportlich aktiven Kindern

Wenn keiner dieser Punkte zutrifft

Wahrscheinlich ist keine Ergänzung erforderlich. Eine ausgewogene Ernährung deckt für die meisten Kinder den Bedarf — Ausnahme bleibt Vitamin D im Winter.

Was sagen die Daten?

Studien aus Deutschland zeichnen ein klares Bild: Die meisten Kinder sind über eine ausgewogene Mischkost ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Bei einigen Nährstoffen gibt es aber strukturelle Versorgungslücken — vor allem bei Vitamin D, Eisen, Jod und Omega-3. Hier die wichtigsten Erkenntnisse aus aktuellen Untersuchungen von DGE, RKI und EFSA.

Vitamin-D-Versorgung im Winterhalbjahr

Die EsKiMo-II-Studie (Robert Koch-Institut, 2018) zeigt: Im Winterhalbjahr unterschreiten rund 80% der Kinder in Deutschland die DGE-Referenzwerte für Vitamin D. Grund ist die reduzierte körpereigene Bildung über die Haut von Oktober bis März. Über die Ernährung allein lässt sich der Bedarf bei den meisten Kindern nicht decken, besonders nicht bei Kindern die wenig Zeit im Freien verbringen oder einen dunkleren Hauttyp haben.

Eisenmangel bei Kindern und Jugendlichen

Laut KiGGS-Welle 2 (Robert Koch-Institut, 2017) zeigen rund 7% der Mädchen ab der Pubertät einen Eisenmangel, gemessen am Ferritin-Wert. Bei jüngeren Kindern liegt die Rate bei 1-2%. Eisen ist damit der häufigste Mikronährstoffmangel bei Kindern in Industrieländern. Besonders gefährdet sind Mädchen ab Menarche, Kinder in Wachstumsphasen sowie vegetarisch oder vegan ernährte Kinder.

Jod-Versorgung in Deutschland

Trotz der seit Jahrzehnten etablierten Jodsalzprophylaxe zeigen RKI-Daten dass rund 30% der Kinder eine unzureichende Jodzufuhr haben. Risikofaktoren sind: kein Jodsalz im Haushalt, wenig Seefisch oder Milchprodukte, vegane Ernährung. Eine ausreichende Jodversorgung ist für die normale Schilddrüsenfunktion und die kognitive Entwicklung in den ersten Lebensjahren entscheidend.

Omega-3 und Fischverzehr

Die DGE empfiehlt 1-2 Portionen Fisch pro Woche, davon eine fettreiche Sorte wie Lachs oder Hering. Real verzehrt werden in Deutschland deutlich weniger — viele Kinder essen gar keinen Fisch. DHA und EPA, die wichtigsten Omega-3-Fettsäuren, kommen fast ausschließlich in fettem Seefisch und Algenöl vor. Pflanzliche Quellen wie Leinöl liefern nur die Vorstufe ALA, die der Körper nur in geringem Maße umwandelt.

Vegane Ernährung im Kindesalter

Der Anteil veganer Kinder in Deutschland liegt laut aktuellen Schätzungen bei rund 0,5-1%, Tendenz steigend. Die DGE rät in ihrem Positionspapier von einer rein veganen Ernährung im Kindesalter ohne ärztliche Begleitung und gezielte Supplementierung ausdrücklich ab — vor allem wegen Vitamin B12, Eisen, Jod, Omega-3 (DHA) und Calcium. Eine vegane Ernährung kann bei sorgfältiger Planung umgesetzt werden, erfordert aber Bluttests und gezielte Supplementierung.

Erhöhter Bedarf in Wachstumsphasen

In Phasen starken Wachstums steigt der Bedarf an mehreren Nährstoffen deutlich an. Besonders betroffen: das erste Lebensjahr, das Kleinkindalter (1-3 Jahre) und die Pubertät (etwa 11-15 Jahre). Relevant sind in diesen Phasen vor allem Eisen (für Sauerstofftransport im wachsenden Gewebe), Calcium und Vitamin D (für die Knochenmineralisierung) und Zink (für Zellteilung und Immunsystem). Diese Bedarfssprünge sind in den DGE-Referenzwerten klar abgebildet.

Was du als Elternteil konkret tun kannst

1

Ernährung ehrlich anschauen

Schreib eine Woche lang auf, was dein Kind tatsächlich isst. Welche Lebensmittelgruppen kommen vor? Was fehlt systematisch? Das ist der erste und wichtigste Schritt, bevor du an Nahrungsergänzung denkst.

2

Vorsorgetermine nutzen

Bei den U-Untersuchungen oder J1 kannst du gezielt nach einem Bluttest fragen. Sinnvoll sind in der Regel Vitamin D, Ferritin (Eisenspeicher) und bei veganer Ernährung B12. Krankenkassen übernehmen das bei begründetem Verdacht.

3

Erst nach Bluttest supplementieren bei Eisen und Vitamin D

Eine Supplementierung ohne Test ist riskant, bei Eisen besonders, weil eine zu hohe Zufuhr ohne Mangel gesundheitlich problematisch werden kann.

4

Bei besonderen Ernährungsformen: Ernährungsberatung

Bei wählerischen Essern, veganer Ernährung oder bekannten Mängeln ist eine qualifizierte Ernährungsberatung mit pädiatrischer Erfahrung meist wirkungsvoller als ein Multivitamin.

5

Wenn supplementiert wird: auf Qualität achten

Altersgerechte Dosierung, klar deklarierte Inhaltsstoffe, keine unnötigen Zusatzstoffe. Worauf konkret zu achten ist, erklärt unser Detailartikel

Häufige Fragen

Brauchen alle Kinder ein Multivitamin?
Nein. Bei ausgewogener Mischkost ist ein Multivitamin in der Regel nicht nötig. Sinnvoll kann es bei sehr wählerischen Essern sein und auch dann besser nach ärztlicher Abklärung als prophylaktisch.
Ab welchem Alter kann ich meinem Kind Nahrungsergänzung geben?
Bei Säuglingen werden Vitamin D und Vitamin K standardmäßig vom Kinderarzt verordnet. Andere Nahrungsergänzung sollte bei Kindern unter 3 Jahren immer mit dem Kinderarzt abgestimmt werden.
Welche Nährstoffe fehlen Kindern in Deutschland am häufigsten?
Laut KiGGS- und EsKiMo-Daten: Vitamin D (besonders im Winter), Eisen (insbesondere bei Mädchen ab der Pubertät) und Jod. Bei veganer Ernährung kommt B12 hinzu.
Reicht eine ausgewogene Ernährung allein aus?
Für die meisten Kinder ja, mit zwei Ausnahmen. Vitamin D im Winterhalbjahr lässt sich kaum über die Ernährung decken. Und bei veganer Ernährung reicht Ernährung allein nie aus, weil B12 fehlt.
Können Kinder Vitamine überdosieren?
Ja. Besonders bei den fettlöslichen Vitaminen A, D, E, K und bei Eisen sind Überdosierungen relevant. Diese Nährstoffe sollten nur nach Bluttest und ärztlicher Empfehlung supplementiert werden.

Diese Seite ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei konkretem Verdacht auf einen Nährstoffmangel wende dich an deinen Kinderarzt.