Brauchen Kinder Magnesium?

Magnesium ist an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt — wichtig für Muskel- und Nervenfunktion, Energiestoffwechsel und Knochen. Bei ausgewogener Mischkost mit Vollkornprodukten, Nüssen und grünem Gemüse ist der Bedarf bei Kindern in der Regel gut gedeckt. Eine Supplementierung kann bei sportlich aktiven Kindern, in Wachstumsphasen oder bei einseitiger Ernährung sinnvoll sein.

  • 2 Quellen
  • 9 Min Lesezeit

02 · Bedarf

Bedarf nach Alter

DGE-Referenzwerte für Magnesium

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat in der 3. Auflage der DGE/ÖGE-Referenzwerte (2024) die empfohlene Magnesiumzufuhr für Kinder und Jugendliche festgelegt. Der Bedarf steigt mit dem Wachstum und unterscheidet sich ab 13 Jahren leicht zwischen den Geschlechtern.

Altersgruppe Männlich Weiblich
DGE Magnesium 1 bis unter 4 Jahre 80 mg 80 mg
DGE Magnesium 4 bis unter 7 Jahre 120 mg 120 mg
DGE Magnesium 7 bis unter 10 Jahre 170 mg 170 mg
DGE Magnesium 10 bis unter 13 Jahre 250 mg 250 mg
DGE Magnesium 13 bis unter 15 Jahre (m) 310 mg 270 mg
DGE Magnesium 15 bis unter 19 Jahre (m) 400 mg 350 mg

Magnesium ist in vielen pflanzlichen Lebensmitteln enthalten — Vollkornprodukte, Nüsse, grünes Gemüse und Hülsenfrüchte sind gute Quellen. Eine ausreichende Versorgung über die Ernährung ist bei ausgewogener Mischkost gut möglich.

Bei stark verarbeiteten Lebensmitteln und Süßigkeiten geht Magnesium häufig verloren. Kinder mit einseitiger Ernährung können daher unterversorgt sein.

Bei starker körperlicher Belastung (Sport) und in Wachstumsphasen kann der Bedarf erhöht sein.

Magnesium ist nach Calcium der zweithäufigste Mineralstoff im Körper. Etwa 50–60 Prozent sind in den Knochen gespeichert, der Rest in Muskeln und Weichgewebe.

Quelle:DGE 2025

03 · Versorgungslage

Wie gut sind Kinder in Deutschland mit Magnesium versorgt?

Anders als bei Eisen oder Vitamin D ist Magnesium über die normale Ernährung in Deutschland zuverlässig gedeckt. Vollkornprodukte, Nüsse, grünes Gemüse und mineralreiches Wasser liefern reichlich. Wadenkrämpfe oder Müdigkeit haben deshalb selten mit Magnesium zu tun — diese Symptome bekommen oft eine Magnesium-Etikette, die nicht immer hält.

Laut KiGGS-Daten erreichen die meisten Kinder in Deutschland die DGE-Referenzwerte für Magnesium problemlos. Die Versorgung über Vollkornbrot, Haferflocken, Hülsenfrüchte und Nüsse ist meist solide. Magnesiumreiches Mineralwasser kann zusätzlich beitragen.

Magnesiummangel ist klinisch eine Rarität bei deutschen Kindern. Die häufigste Ursache ist nicht eine "falsche Ernährung", sondern chronische Verluste — etwa bei Durchfall, intensivem Sport mit hohem Schweißverlust oder bestimmten Medikamenten. Wadenkrämpfe haben oft andere Ursachen (Flüssigkeitsmangel, Wachstumsschmerzen, Überlastung) und sind nicht zwingend ein Magnesium-Mangel-Signal.

Bei den meisten Kindern in Deutschland ist die Magnesium-Versorgung gut bis sehr gut. Magnesiummangel ist eine Rarität — meist Folge anderer Erkrankungen, nicht der Ernährung.

04 · Funktion

Wofür braucht der Körper Magnesium?

Magnesium ist ein wahres Multitalent im Körper. Es ist beteiligt an der Muskelkontraktion (sowohl Skelettmuskel als auch Herzmuskel), am Energiestoffwechsel in den Zellen, an der Reizleitung im Nervensystem und am Knochenaufbau. Etwa 60 % des Körpermagnesiums sind in den Knochen gespeichert, der Rest verteilt sich auf Muskeln und Weichgewebe.

Magnesium – Muskelfunktion

Magnesium ist Gegenspieler von Calcium an den Muskelzellen — während Calcium die Kontraktion auslöst, sorgt Magnesium für Entspannung. Ein Mangel kann zu Muskelkrämpfen, Zuckungen oder verspäteter Erholung führen.

Zugelassene Angabe

„Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei."

Artikel 13: Allgemeine Funktions-Claims

DGE 2025

Magnesium – Nervensystem

Magnesium reguliert die Erregbarkeit von Nervenzellen und wirkt damit beruhigend auf das Nervensystem. Ein Mangel kann sich in Reizbarkeit, innerer Unruhe oder Konzentrationsproblemen äußern.

Zugelassene Angabe

„Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei."

Artikel 13: Allgemeine Funktions-Claims

DGE 2025

Magnesium – Energiestoffwechsel

Magnesium ist essenziell für die ATP-Aktivierung — das energiereiche Molekül, das Zellen für alle aktiven Prozesse benötigen. Ohne Magnesium kann ATP nicht in seine bioverfügbare Form überführt werden.

Zugelassene Angabe

„Magnesium trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei."

Artikel 13: Allgemeine Funktions-Claims

DGE 2025

Magnesium – Elektrolytgleichgewicht

Als positiv geladenes Ion ist Magnesium ein wichtiger Elektrolyt im Körper. Es reguliert zusammen mit Natrium, Kalium und Calcium den Wasserhaushalt und ist Voraussetzung für die Funktion erregbarer Zellen.

Zugelassene Angabe

„Magnesium trägt zum Elektrolytgleichgewicht bei."

Artikel 13: Allgemeine Funktions-Claims

DGE 2025

Magnesium – Ermüdungsreduktion

Magnesium ist an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt, viele davon im Energiestoffwechsel. Eine ausreichende Versorgung kann zur Verringerung von Müdigkeit und schneller Erschöpfung beitragen.

Zugelassene Angabe

„Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei."

Artikel 13: Allgemeine Funktions-Claims

DGE 2025

Magnesium ist an über 300 Stoffwechselvorgängen beteiligt — von Muskelfunktion über Energiestoffwechsel bis hin zur Nervenreizleitung. Es ist eines der vielseitigsten Mineralstoffe überhaupt.

05 · Lebensmittel

Welche Lebensmittel enthalten Magnesium?

Magnesium ist über die normale Ernährung leicht zu decken. Wichtig ist die Vielfalt: Vollkornprodukte als Basis, Nüsse als Snack, grünes Gemüse als Beilage und ein magnesiumreiches Mineralwasser zum Trinken. Damit ist die Versorgung in der Regel problemlos.

Spitzenreiter unter den Nüssen sind Mandeln, Cashew- und Paranüsse — sie liefern jeweils 250-400 mg Magnesium pro 100 g. Eine kleine Handvoll Nüsse (30 g) als Snack liefert bereits 75-120 mg. Haferflocken und Vollkornbrot sind die Alltagsbasis: Eine Portion Müsli mit Haferflocken (50 g) plus etwas Obst liefert leicht 80-100 mg Magnesium.

Grünes Gemüse (Spinat, Mangold, Brokkoli) trägt nennenswert bei. Bei den Getränken: Magnesiumreiches Mineralwasser (mit Aufschrift "Magnesium > 50 mg/l") kann bei 1-1,5 Litern täglich 50-100 mg ergänzen. Die Kombination dieser Quellen deckt den Bedarf auch bei Kindern mit hohem Wachstumstempo zuverlässig.

Quellen: MRI 2025

Anteil am Referenzwert

Alter deines Kindes 6 Jahre
1 16
  • 100 g Haferflocken 140 mg ·

    Eine Portion Müsli (50 g Haferflocken) liefert etwa 70 mg — bereits ein Drittel des Tagesbedarfs bei Kleinkindern.

  • 100 g Mandeln 270 mg ·

    Eine kleine Handvoll Mandeln (30 g) liefert etwa 80 mg. Bei kleineren Kindern auf Erstickungsgefahr achten — alternativ Mandelmus.

  • 100 g Vollkornbrot (Roggen-Weizen) 60 mg ·

    Zwei Scheiben Vollkornbrot (80 g) liefern etwa 48 mg — Standard im Schulbrotdosen-Setup.

  • Liter (mineralreich) Mineralwasser (magnesiumreich, >50 mg/l) 100 mg ·

    Magnesiumreiches Mineralwasser (> 50 mg/l) — bei 1,5 l täglich werden so etwa 150 mg ergänzt.

Nährwerte:MRI 2025 · Referenzwerte: DGE 2025

Vollkornprodukte, Nüsse, Saaten, grünes Gemüse und Hülsenfrüchte sind die wichtigsten Magnesiumquellen. Mineralreiches Wasser kann täglich nennenswert beitragen.

07 · Sicherheit

Höchstmenge nach Alter

EFSA UL Magnesium (4–18 Jahre, NEM) 250 mg

Der UL gilt nur für supplementäres Magnesium aus löslichen Salzen (Magnesiumoxid, -sulfat, -chlorid). Magnesium in natürlichen Lebensmitteln ist davon nicht betroffen.

08 · Häufige Fragen

Fünf Fragen zu Magnesium

Wähl die Frage aus, die dich betrifft.

Hilft Magnesium wirklich bei Wadenkrämpfen?

Bei einem nachgewiesenen Magnesiummangel: ja. Bei Krämpfen ohne Mangel ist die Studienlage gemischt — Meta-Analysen zeigen oft nur einen schwachen Effekt. Bei wiederkehrenden Krämpfen lohnt es sich, andere Ursachen wie Flüssigkeitsmangel, Überlastung oder Wachstumsschmerzen zu prüfen, bevor Magnesium dauerhaft genommen wird. Trotzdem: Magnesium hat ein gutes Sicherheitsprofil — eine versuchsweise Gabe von 100 mg über einige Wochen ist unproblematisch und kann zeigen, ob es bei deinem Kind hilft.

Kann Magnesium bei gestressten Kindern helfen?

Magnesium ist an der Regulation der Stressantwort beteiligt — bei einem Mangel kann sich das in Reizbarkeit oder innerer Unruhe zeigen. Ein direkter beruhigender Effekt bei ausreichend versorgten Kindern ist aber nicht belegt. Bei Stresssymptomen sind oft andere Maßnahmen wirksamer: Schlafhygiene, Bewegung, Reduktion von Bildschirmzeit. Magnesium kann ein Baustein sein, aber selten der entscheidende.

Verursacht Magnesium Durchfall?

Bei höheren Dosen ja — das ist der bekannte abführende Effekt, der auf der osmotischen Wirkung im Darm beruht. Bei Kindern reichen meist 50–100 mg täglich, was selten Probleme macht. Wenn der Stuhl weich wird, ist das ein Signal zu reduzieren oder die Form zu wechseln. Magnesiumcitrat und -bisglycinat sind verträglicher als Magnesiumoxid. Mit etwas Essen ist die Verträglichkeit besser.

Reicht magnesiumreiches Mineralwasser?

Hilft, ja — aber meist nicht allein. Ein gutes Mineralwasser kann 50–100 mg Magnesium pro Liter liefern, was einen relevanten Anteil am Tagesbedarf abdeckt. Es ist eine einfache, kalorienfreie Möglichkeit, die Versorgung zu unterstützen. Den Bedarf komplett zu decken, reicht es bei Kindern aber selten — vor allem in Wachstumsphasen. Vollkornprodukte, Nüsse und grünes Gemüse bleiben die Grundlage.

Soll man Magnesium und Calcium zusammen geben?

Beide konkurrieren um die Aufnahme im Darm. Bei normalen Tagesdosen aus Ernährung oder Supplementen ist das aber kein praktisches Problem. Bei höheren Supplement-Dosen kann es sinnvoll sein, die Einnahme zeitlich zu trennen — etwa Calcium zum Frühstück, Magnesium zum Abendessen. Bei normalen Lebensmittel-Kombinationen muss man das nicht penibel trennen.

Register

Quellen dieses Artikels

Referenzwerk

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 3. Auflage, 1. Ausgabe, 2025. Bonn, Loseblattsammlung (Ringordner). ISBN 978-3-88749-291-5

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Studie

KiGGS Welle 2 — Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Robert Koch-Institut, Mauz E, Gößwald A, Kamtsiuris P, et al., Welle 2, 2017. Datenerhebung 2014–2017, Stichprobe N=15.023

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