Wenn dein Kind oft krank ist: Welche Rolle spielen Nährstoffe?

BESCHWERDEN & NÄHRSTOFFE

Wenn dein Kind oft krank ist: Welche Rolle spielen Nährstoffe?

Verfasst von Simone Kotthoff
Aktualisiert 03. June 2026
9 Min Lesezeit
Die kurze Antwort

Häufige Infekte sind bei jüngeren Kita- und Kindergartenkindern normal — das Immunsystem reift noch, jeder Infekt ist ein Trainingsdurchlauf. Ein schwaches Immunsystem oder ein Nährstoffmangel steckt nur selten dahinter. Nährstoffe können zu einer normalen Funktion des Immunsystems beitragen, ersetzen diese Reifung aber nicht. Gezielt relevant ist in Deutschland vor allem Vitamin D im Winterhalbjahr; bei ungewöhnlich schweren oder anhaltenden Infekten ist die ärztliche Abklärung der richtige Weg.

Wann dieser Artikel relevant ist

Sinnvoll

Wenn folgendes zutrifft:

  • Dein Kind ist neu in Krippe oder Kita und häufiger erkältet
  • Du fragst dich
  • ob ein Nährstoffmangel hinter den Infekten steckt
  • Dein Kind ernährt sich vegetarisch oder vegan
  • Es ist Winterhalbjahr und dein Kind ist selten draußen
Nicht nötig

Wenn folgendes zutrifft:

  • Dein Kind hat ein bis zwei Infekte pro Saison und entwickelt sich normal
  • Du suchst ein Mittel
  • das Erkältungen verhindert
  • Dein Kind isst abwechslungsreich und ist gut versorgt

Häufige Infekte sind in den ersten Betreuungsjahren erwartbar. Dieser Artikel ordnet ein, wann Nährstoffe eine Rolle spielen und wann eine kinderärztliche Abklärung der bessere Weg ist.

Was du als Elternteil konkret tun kannst

Infekthäufigkeit einordnen

Zähle ehrlich nach: Sechs bis zehn Infekte pro Jahr sind bei Kita-Kindern normal. Erst deutlich darüber, mit ungewöhnlichem Verlauf, lohnt eine genauere Abklärung.

Ernährung anschauen

Bevor du an Präparate denkst: Isst dein Kind abwechslungsreich — mit Gemüse, Obst, Vollkorn und je nach Ernährungsform Fleisch, Fisch oder gut geplanten pflanzlichen Alternativen?

Vitamin D im Winter bedenken

Von Oktober bis März ist die körpereigene Vitamin-D-Bildung in Deutschland gering. Die DGE empfiehlt für diesen Zeitraum eine Ergänzung in altersgerechter Dosierung.

Bei pflanzlicher Ernährung genauer hinsehen

Ernährt sich dein Kind vegetarisch oder vegan, behalte Eisen, Zink und Vitamin B12 im Blick — bei veganer Ernährung ist B12 verbindlich zu ergänzen.

Bei Warnzeichen ärztlich abklären

Ungewöhnlich schwere, lange oder häufig bakterielle Infekte sowie eine Gedeihstörung gehören in kinderärztliche Hände. Blutwerte ordnet die Praxis ein.

Was „oft krank" bei Kindern bedeutet

Wenn ein Kind ständig erkältet wirkt, denken viele Eltern an ein schwaches Immunsystem. Meist ist das Gegenteil der Fall: Das Immunsystem lernt gerade. Jeder Infekt ist ein Trainingsdurchlauf, durch den der Körper neue Erreger kennenlernt — besonders in den ersten Jahren in Krippe und Kita, wo viele Kinder eng zusammenkommen. Mit dem Alter nimmt die Zahl der Infekte von allein ab.
6–10

virale Infekte pro Jahr gelten bei Krippen- und Kindergartenkindern als normal — ein Zeichen der Immunreifung, kein Mangel.

Woran häufige Infekte liegen können

Ob ein Kind häufiger krank ist, hängt selten an einer einzigen Ursache. Meist wirken mehrere Dinge zusammen — Nährstoffe sind einer davon, aber selten der wichtigste.
Wenn dein Kind im Winterhalbjahr wenig draußen istVitamin D

Von Oktober bis März reicht die UV-Strahlung in Deutschland für die körpereigene Bildung nicht aus.

Wenn dein Kind sich vegetarisch oder vegan ernährtEisen · Zink · B12

Diese drei Nährstoffe brauchen dann mehr Aufmerksamkeit als sonst; bei veganer Ernährung ist B12 verbindlich zu ergänzen.

Wenn dein Kind neu in Krippe oder Kita isterwartbar

Die Infekthäufigkeit steigt in dieser Phase vorübergehend an — das gehört zur Eingewöhnung dazu und legt sich wieder.

Wenn Schlaf und Erholung zu kurz kommenwirkt oft mehr

Ausreichend Schlaf und Erholung wirken sich auf das Wohlbefinden oft stärker aus als zusätzliche Präparate.

Wenn keiner dieser Punkte zutrifft
Dann sind häufige Infekte mit großer Wahrscheinlichkeit einfach Teil der normalen Immunreifung. Ein zusätzliches Präparat ist in diesem Fall meist nicht nötig.

Welche Nährstoffe das Immunsystem unterstützen und was das heißt

Sieben Nährstoffe dürfen laut EFSA mit einer normalen Funktion des Immunsystems in Verbindung gebracht werden. Wichtig ist die Lesart: Sie sorgen dafür, dass das Immunsystem normal arbeiten kann — sie verstärken es nicht. Gezielt ergänzt werden muss in Deutschland vor allem eines: Vitamin D im Winterhalbjahr. Die übrigen sind bei einer ausgewogenen Ernährung in der Regel gedeckt.
Stufe 1 Am ehesten gezielt relevant

Hier kann in Deutschland eine gezielte Ergänzung sinnvoll sein.

Vitamin D
Vitamin D

Der einzige Nährstoff, der in Deutschland bei den meisten Kindern gezielt ergänzt werden sollte — von Oktober bis März. (DGE: 20 µg/Tag bei fehlender Eigenbildung)

EFSA-Claim Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Mehr zu Vitamin D bei Kindern →
Stufe 2 Im Blick behalten

Meist über die Ernährung gedeckt — je nach Situation bewusst beachten.

Zink
Zink

In einer Mischkost meist gedeckt, relevanter bei rein pflanzlicher Ernährung.

EFSA-Claim Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Mehr zu Zink bei Kindern →
Eisen
Eisen

Gezielt ergänzen nur bei ärztlich festgestelltem Mangel — nicht auf Verdacht.

EFSA-Claim Eisen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Mehr zu Eisen bei Kindern →
Ebenfalls mit Immun-Claim — in der Regel über die Ernährung gedeckt
„Trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei" heißt: Eine ausreichende Versorgung ist Voraussetzung dafür, dass das Immunsystem normal arbeitet. Mehr als der Bedarf bringt keinen Zusatznutzen und beugt Infekten nicht zusätzlich vor.
Wann eine kinderärztliche Abklärung sinnvoll ist
Bei ungewöhnlich schweren oder lang anhaltenden Infekten, bei Gedeihstörung oder Gewichtsverlust oder wenn Infekte auffällig oft bakteriell verlaufen, gehört das in kinderärztliche Hände. Auch die Einordnung von Blutwerten ist Sache der Ärztin oder des Arztes — nicht der Selbstdosierung.

Häufige Fragen

Wie oft krank ist bei Kindern noch normal?
Sechs bis zehn meist virale Infekte pro Jahr gelten bei Krippen- und Kindergartenkindern als normal. In den ersten Betreuungsjahren trainiert das Immunsystem — die Häufigkeit nimmt mit dem Alter von allein ab.
Stärkt Vitamin C das Immunsystem meines Kindes?
Vitamin C trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Das bedeutet: Eine ausreichende Versorgung ist nötig, damit das Immunsystem normal arbeitet. Über Obst und Gemüse ist sie bei den meisten Kindern gedeckt; zusätzliches Vitamin C verkürzt Erkältungen nicht.
Sollte ich meinem Kind im Winter Vitamin D geben?
Von Oktober bis März reicht die Sonne in Deutschland nicht für die körpereigene Bildung aus. Die DGE empfiehlt für diesen Zeitraum eine Ergänzung in altersgerechter Dosierung. Im Sommer hängt der Bedarf von Aufenthalt im Freien und Hauttyp ab.
Hilft Zink gegen Erkältungen?
Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Bei einer ausgewogenen Mischkost ist die Versorgung meist gedeckt. Eine zusätzliche Gabe bei gesunden, gut versorgten Kindern bringt keinen belegten Zusatznutzen.
Wann sollte ich mit häufigen Infekten zum Kinderarzt?
Wenn Infekte ungewöhnlich schwer verlaufen, lange anhalten, auffällig oft bakteriell sind oder dein Kind nicht richtig gedeiht. Dann ist die kinderärztliche Abklärung der richtige Schritt — nicht die Selbstdosierung von Präparaten.

Verwandte Themen

Vitamin C
Vitamin C

Vitamin C steckt in Paprika, Brokkoli, Kohl, Zitrusfrüchten, Beeren und Kartoffeln. Schon eine Portion Obst oder Gemüse am Tag deckt bei Kindern den Bedarf. Der Körper speichert Vitamin C kaum und scheidet Überschüsse über den Urin aus. Nach EsKiMo II gehört Vitamin C nicht zu den Nährstoffen, bei denen die Zufuhr bei Kindern und Jugendlichen unter den Empfehlungen liegt. Gleichzeitig ist es das am häufigsten ergänzte Mittel bei Jugendlichen. Für die meisten Kinder ist eine Ergänzung damit nicht begründet.

Besonders relevantBei sehr geringem Obst- und Gemüseverzehr
Mehr zu Vitamin C
Eisen
Eisen

Eisen steckt in Fleisch, Hülsenfrüchten, Vollkorn und grünem Gemüse. Aus tierischen Lebensmitteln nimmt der Körper es besser auf als aus pflanzlichen. Vitamin C aus Obst oder Gemüse verbessert die Aufnahme aus pflanzlichen Quellen deutlich, deshalb lohnt die Kombination in einer Mahlzeit. Der Bedarf steigt mit dem Alter: 7 mg bei Kleinkindern, 10 mg ab 7 Jahren, 14 mg ab 10 Jahren. Ab 13 Jahren brauchen Mädchen 16 mg, Jungen 11 mg. Nach EsKiMo II liegt die Eisenzufuhr besonders bei Mädchen zwischen 6 und 17 Jahren unter dem Referenzwert. Vor einer Eisengabe gehört ein Blutwert, weil zu viel Eisen im Körper nicht einfach ausgeschieden wird.

Besonders relevantWachstumsphasen, Mädchen ab Menarche, vegetarisch oder vegan ernährte Kinder
Mehr zu Eisen
Vitamin D
Vitamin D

Vitamin D entsteht hauptsächlich in der Haut, wenn Sonnenlicht darauf trifft. Über das Essen kommt nur wenig dazu, deshalb liegt die Zufuhr aus Lebensmitteln bei fast allen Kindern unter dem Referenzwert. Daraus lässt sich kein Mangel ableiten. Zwischen Oktober und März steht die Sonne in Deutschland zu tief für die Bildung über die Haut. Die Ernährungskommission der DGKJ empfiehlt ab dem zweiten Lebensjahr regelmäßige Zeit im Freien und sieht eine vorbeugende Gabe im Winter nur für Risikogruppen als sinnvoll an. Wie gut ein Kind versorgt ist, zeigt ein Blutwert. Die Einordnung gehört in die kinderärztliche Praxis.

Mehr zu Vitamin D

Diese Seite ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei konkretem Verdacht auf einen Nährstoffmangel wende dich an deinen Kinderarzt.