Ist mein Kind gut versorgt, wenn es etwas nicht essen darf?

In den meisten Fällen ja. Entscheidend ist nicht die Allergie selbst, sondern ob an die Stelle des fehlenden Lebensmittels etwas Gleichwertiges rückt. Am meisten Aufmerksamkeit braucht die Kuhmilchallergie, weil dort Calcium, Jod und mehrere Vitamine gleichzeitig wegfallen. Bei Ei, Soja und Nüssen ist der Ersatz dagegen unkompliziert. Schwieriger wird es, wenn mehrere Lebensmittel gleichzeitig wegfallen. Hol dir dann Unterstützung durch eine Ernährungsfachkraft mit Allergie-Erfahrung.

Zuletzt geprüft am 27. September 2026
  • 14 Quellen
  • 10 Min Lesezeit
01 · Einordnung

Was fällt bei einer Nahrungsmittelallergie weg?

Bei einer Allergie muss das auslösende Lebensmittel konsequent wegbleiben und mit ihm alles, was daraus hergestellt wird. Wie stark das die Ernährung deines Kindes verändert, hängt davon ab, welches Lebensmittel es ist und wie viele es sind.

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf ein Eiweiß im Lebensmittel. Deshalb muss das ganze Lebensmittel weggelassen werden. Bei einer Unverträglichkeit, etwa der Laktoseintoleranz, ist dagegen nur ein einzelner Bestandteil das Problem. Dann sind oft kleine Mengen möglich oder es gibt Produkte ohne diesen Bestandteil.

Bei einer Allergie fällt das ganze Lebensmittel weg, auch alles, was daraus gemacht wird. Bei einer Unverträglichkeit ist meist nur ein Bestandteil das Problem, dann gibt es oft Produkte ohne ihn.

Wie viel sich für deinen Speiseplan ändert, hängt davon ab, was wegfällt. Manche Lebensmittel lassen sich leicht ersetzen, weil ihre Nährstoffe auch anderswo stecken. Bei anderen hängen viele Nährstoffe gleichzeitig dran, dann braucht der Ersatz mehr Überlegung.

Auch die Anzahl zählt: Ein Lebensmittel lässt sich meist gut ersetzen. Muss dein Kind drei oder mehr meiden, wird es deutlich schwieriger.

Und noch etwas Gutes: Allergien auf Milch, Ei, Weizen und Soja verschwinden bei vielen Kindern in den ersten Schuljahren wieder. Deshalb wird regelmäßig geprüft, ob dein Kind das Lebensmittel noch meiden muss.

Quelle: DGAKI 2021; GPA 2025; Journal of Human Nutrition and Dietetics 2014

  • Häufigkeit 4 %

    der Kinder haben eine gesicherte Nahrungsmittelallergie

    Deutlich mehr Familien vermuten eine Allergie, als sich am Ende bestätigt. Deshalb steht vor jeder Umstellung die ärztliche Abklärung.

    Quelle: DGAKI 2021

  • Auslöser 6

    Lebensmittel lösen die meisten Allergien bei Kindern aus

    Kuhmilch, Hühnerei, Soja, Weizen, Erdnuss und Baumnüsse. Bei kleinen Kindern sind es vor allem Milch und Ei, bei älteren kommen Nüsse und Fisch dazu.

    Quelle: DGAKI 2021; GPA 2025

  • Verlauf oft vorbei

    sind Allergien auf Milch, Ei, Weizen und Soja im Schulalter

    Bei Ei verliert sich die Allergie bei etwa der Hälfte der Kinder bis zum sechsten Lebensjahr, bei Soja und Weizen bei rund zwei Dritteln bis zum zehnten und zwölften. Erdnuss- und Nussallergien bleiben dagegen meist bestehen.

    Quelle: DGAKI 2021

02 · Positionen

Was sagen Fachleute zur Versorgung allergischer Kinder?

Die Antwort ist überall dieselbe: Ja, dein Kind kann trotz Allergie gut versorgt sein. Zwei Dinge machen den Unterschied. Erstens: Es sollte nur weggelassen werden, was ärztlich festgestellt wurde. Zweitens: An die Stelle des fehlenden Lebensmittels muss bewusst etwas anderes rücken. Wird beides beachtet, sehen die Fachgesellschaften keinen Grund zur Sorge.

Was Fachleute dazu sagen

Die Empfehlungen beziehen sich auf eine ärztlich festgestellte Allergie. Bei einer Unverträglichkeit wie der Laktoseintoleranz entscheidet dagegen die Menge, die dein Kind verträgt.
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI)

    Kinder und Erwachsene, Stand 2021

    Die Allergologen sehen kein grundsätzliches Problem, machen aber eine Bedingung: Es darf nur das weggelassen werden, was dein Kind wirklich nicht verträgt. Je mehr vorsorglich gestrichen wird, desto schwieriger wird die Versorgung. Deshalb soll eine Ernährungsfachkraft mit allergologischer Erfahrung beraten, wenn ein Lebensmittel längere Zeit wegfällt, und regelmäßig geprüft werden, ob die Diät noch nötig ist.

    Quelle: DGAKI 2021

  • Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA)

    Kinder und Jugendliche, Stand 2025

    Die Kinderallergologen sagen am deutlichsten, worauf es ankommt: Nicht die Allergie selbst gefährdet die Versorgung, sondern eine Diät ohne fachliche Begleitung. Dann kann tatsächlich eine Mangelernährung entstehen, die Wachstum und Entwicklung beeinträchtigt. Werden Familien dagegen gut beraten, aßen die Kinder in Studien trotz Diät nicht schlechter als andere Kinder.

    Quelle: GPA 2025

  • Netzwerk Gesund ins Leben

    Kleinkinder von 1 bis 3 Jahren, Stand 2022

    Das Netzwerk, hinter dem mehrere Fachgesellschaften stehen, sieht das größte Risiko woanders: beim Weglassen ohne Diagnose. Ein Verdacht allein rechtfertigt es nicht, Lebensmittel zu streichen, denn das kann Kinder belasten und ihrer Gesundheit schaden. Steht die Diagnose dagegen fest, ist eine ausgewogene Ernährung auch mit Diät möglich, sie muss nur bewusst zusammengestellt werden.

    Quelle: Gesund ins Leben, BZfE 2022

Worin die Empfehlungen übereinstimmen

Lass nur das weg, was dein Kind wirklich nicht verträgt und nur mit ärztlicher Diagnose. Sorge dafür, dass an die Stelle des fehlenden Lebensmittels etwas anderes rückt. Und hol dir Unterstützung, wenn mehrere Lebensmittel wegfallen oder dein Kind noch klein ist.

03 · Versorgung

Sind allergische Kinder schlechter versorgt?

In den meisten Fällen ja. Entscheidend ist nicht die Allergie selbst, sondern wie viele Lebensmittel wegfallen und ob an ihrer Stelle etwas Gleichwertiges kommt. Bei einer einzelnen Allergie gelingt das meistens gut.

Ein Lebensmittel lässt sich gut ersetzen, bei mehreren lohnt sich Unterstützung.

Wahrscheinlich ist dein Kind gut versorgt. Das gilt besonders dann, wenn es nur ein Lebensmittel meiden muss und ihr wisst, was an dessen Stelle kommt.

Schwieriger wird es bei mehreren Allergien. Wenn drei oder mehr Lebensmittel wegfallen, fehlen schnell mehrere Nährstoffe gleichzeitig, und der Ersatz wird komplizierter. In Untersuchungen war das der Punkt, an dem Kinder langsamer wuchsen, und nicht die Frage, welches Lebensmittel es traf.

Der zweite Punkt, der den Unterschied macht, ist Beratung. Wo Familien fachlich begleitet wurden, aßen die Kinder trotz Diät genauso gut wie andere.

Ein eigenes Nährstoffproblem bringt die Allergie also nicht mit sich. Knapp wird genau das, was im weggelassenen Lebensmittel steckte, und dafür lässt sich Ersatz finden.

  • Allergie

    4 %

    der Kinder in Deutschland haben eine ärztlich gesicherte Nahrungsmittelallergie. Vermutet wird sie deutlich häufiger, als sie sich bestätigt.

    DGAKI 2021; Gesund ins Leben, BZfE 2022

  • Zöliakie

    1 %

    der Kinder in Deutschland haben Zöliakie. Anders als viele Allergien wächst sie sich nicht aus: Gluten muss dauerhaft wegbleiben.

    Gesund ins Leben, BZfE 2022; DGVS 2022

  • Neurodermitis

    jedes 3.

    Kind mit Neurodermitis hat zusätzlich eine Nahrungsmittelallergie. Gerade hier wird aber oft mehr weggelassen als nötig, ohne dass eine Reaktion festgestellt wurde.

    Gesund ins Leben, BZfE 2022; GPA 2025

  • Laktoseintoleranz

    erst später

    entwickelt sich eine Laktoseintoleranz, meist im Lauf des Schulalters. Kleinkinder sind oft noch nicht betroffen.

    Gesund ins Leben, BZfE 2022

Was die Studien nicht zeigen

Zur Versorgung allergischer Kinder in Deutschland gibt es keine Studien. Die Zahlen stammen aus Großbritannien, den USA und Finnland und aus Kliniken, die vor allem schwerere Fälle behandeln. Auf ein Kind mit einer einzelnen Allergie lassen sie sich deshalb nur begrenzt übertragen. Auch dass eine gute Beratung den Unterschied macht, ist bisher nur in wenigen Studien untersucht. Vieles spricht dafür, ein Beweis ist es nicht.

04 · Nährstoffe

Welche Nährstoffe fehlen, wenn ein Lebensmittel wegfällt?

Das hängt davon ab, welches es ist. An der Kuhmilch hängen die meisten Nährstoffe auf einmal, deshalb braucht sie die meiste Aufmerksamkeit. Bei Fisch geht es vor allem um Jod, bei Weizen um Ballaststoffe und B-Vitamine. Ei, Soja und Nüsse lassen sich dagegen nährstofflich gut auffangen.

  • Kuhmilch

    Hier fallen die meisten Nährstoffe auf einmal weg.

    Milchprodukte sind bei Kindern die wichtigste Quelle für Calcium und liefern außerdem Jod, Vitamin B2, Vitamin B12 und hochwertiges Eiweiß. Fällt die ganze Gruppe weg, muss all das aus anderen Lebensmitteln kommen. Das ist die Allergie, bei der sich eine Beratung am meisten lohnt. Besonders im Blick behalten solltest du Calcium.

    Quelle: DGE 2024; DGKJ 2024; GPA 2025

  • Weizen

    Betrifft viele Mahlzeiten, aber wenige Nährstoffe.

    Brot, Nudeln und Gebäck machen bei Kindern einen großen Teil des Tages aus. Mit dem Weizen fallen vor allem Ballaststoffe, B-Vitamine und Eisen weg. Andere Getreide können das übernehmen. Der Aufwand liegt hier weniger bei den Nährstoffen als beim Einkauf, weil Weizen in vielen Fertigprodukten steckt.

    Quelle: GPA 2025; DGAKI 2021

  • Fisch

    Zwei Nährstoffe, die woanders kaum vorkommen.

    Seefisch ist die wichtigste Quelle für Jod und liefert die Omega-3-Fettsäure DHA. Beides steckt in kaum einem anderen Lebensmittel in nennenswerter Menge. Auf Jod solltest du deshalb bewusst achten. Ob dein Kind zusätzlich DHA braucht, besprichst du mit deiner Kinderarztpraxis.

    Quelle: GPA 2025; BfR Jodzufuhr, BfR 2022

  • Hühnerei

    Nährstofflich gut zu verkraften.

    Ei liefert Eiweiß, Vitamin B12, Biotin und Cholin. Das alles steckt auch in Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Hülsenfrüchten, meist ohnehin in größeren Mengen. Nährstoffe sind hier also selten das Problem. Der Aufwand liegt beim Einkauf, weil Ei in vielen verarbeiteten Lebensmitteln enthalten ist.

    Quelle: GPA 2025; DGAKI 2021

  • Soja

    Allein kaum ein Thema, zusammen mit Milch schon.

    Soja liefert Eiweiß, Fett und Ballaststoffe. Isst dein Kind sonst normal, fällt der Verzicht nährstofflich kaum ins Gewicht. Schwierig wird es, wenn dein Kind zusätzlich keine Kuhmilch verträgt: Dann fällt mit dem Sojadrink der beste Milchersatz weg. In diesem Fall solltest du dich beraten lassen.

    Quelle: GPA 2025; DGAKI 2021

  • Erdnuss und Baumnüsse

    Nährstofflich am unkompliziertesten.

    Nüsse liefern Fett, Eiweiß und Ballaststoffe, bei Paranüssen kommt Selen dazu. Alles davon steckt auch in anderen Lebensmitteln, deshalb entsteht hier praktisch nie eine Versorgungslücke. Wichtig ist diese Allergie aus einem anderen Grund: Sie bleibt meist bestehen und Nüsse sind häufig in Fertigprodukten versteckt.

    Quelle: GPA 2025; DGAKI 2021

05 · Alltag

Wie gehst du im Alltag am besten vor?

Diese Punkte machen den Unterschied: einen Überblick verschaffen, das Fehlende gezielt ersetzen, den Speiseplan abwechslungsreich halten und regelmäßig prüfen lassen, ob die Allergie noch besteht.

So gehst du vor

Diese Punkte gelten unabhängig davon, welches Lebensmittel dein Kind meiden muss.

  • Verschaff dir einen Überblick, was wegfällt

    Schreib einmal auf, welche Lebensmittel bei euch nicht mehr auf den Tisch kommen und in welchen Gerichten sie bisher steckten. So siehst du schnell, wo im Alltag Lücken entstehen: beim Frühstück, in der Brotdose oder beim Abendessen. Das ist die Grundlage für alles Weitere.

    Quelle: DGAKI 2021; GPA 2025

  • Ersetze das Lebensmittel, statt es einfach wegzulassen

    Wenn Milch wegfällt, reicht es nicht, sie aus dem Kühlschrank zu nehmen. An ihre Stelle gehört etwas, das dieselben Nährstoffe liefert, hier vor allem Calcium: ein Sojadrink mit Calciumzusatz, calciumreicher Tofu, Grünkohl, Brokkoli oder calciumreiches Mineralwasser. Überlege bei jedem Lebensmittel, das wegfällt, was es ersetzt.

    Quelle: DGAKI 2021; GPA 2025; MRI 2025

  • Halte den Speiseplan trotzdem abwechslungsreich

    Wenn ein Lebensmittel wegfällt, landen schnell immer dieselben Gerichte auf dem Tisch. Genau dadurch wird die Ernährung einseitig. Probiert stattdessen bewusst Neues aus, das erlaubt ist: andere Getreide wie Hafer oder Hirse, verschiedene Hülsenfrüchte, wechselndes Gemüse.

    Quelle: Gesund ins Leben, BZfE 2022; GPA 2025

  • Lass regelmäßig prüfen, ob die Allergie noch besteht

    Viele Allergien verwachsen sich in den ersten Schuljahren, vor allem die auf Milch, Ei, Weizen und Soja. Sprich deshalb bei den Vorsorgeuntersuchungen an, ob ein erneuter Test ansteht. Dann isst dein Kind nicht länger eingeschränkt als nötig.

    Quelle: DGAKI 2021; Gesund ins Leben, BZfE 2022

Wo es im Alltag oft hakt

Diese Punkte kosten am häufigsten Nährstoffe.

  • Aus Vorsicht zu viel streichen

    Reagiert dein Kind auf ein Lebensmittel, liegt es nahe, Ähnliches gleich mit wegzulassen. Damit fallen aber weitere Nährstoffe weg, ohne dass es deinem Kind hilft. Frag in der Praxis nach, was wirklich dazugehört. In Untersuchungen wurde es vor allem dann eng, wenn Kinder drei oder mehr Lebensmittel meiden mussten.

    Quelle: Journal of Human Nutrition and Dietetics 2014; Gesund ins Leben, BZfE 2022

  • Ersatzprodukte statt normaler Lebensmittel

    Für fast jedes Lebensmittel gibt es inzwischen eine Alternative im Regal. Sie liefert aber nicht automatisch dasselbe wie das Original. Milchalternativen enthalten je nach Sorte deutlich weniger Eiweiß, Calcium und Jod. Ein Blick auf die Nährwerttabelle lohnt sich mehr als der auf die Vorderseite der Packung.

    Quelle: DGKJ 2024; DGAKI 2021

06 · Präparat

Braucht mein Kind bei einer Allergie ein Präparat?

Meistens nicht. Wird das fehlende Lebensmittel gut ersetzt, kommt dein Kind auch ohne Präparat auf seine Nährstoffe. Ein Thema können drei Dinge werden: Calcium, wenn Milchprodukte wegfallen, sowie Jod und Vitamin D, die bei vielen Kindern ohnehin knapp sind.

Kann sinnvoll sein

Ob dein Kind eines davon braucht, klärst du am besten mit deiner Kinderarztpraxis.

  • Calcium, wenn Milchprodukte wegfallen

    Milchprodukte sind die wichtigste Calciumquelle für Kinder. Fallen sie weg, lässt sich das über angereicherten Sojadrink, calciumreichen Tofu, Grünkohl und calciumreiches Mineralwasser oft ausgleichen. Kommt dein Kind damit nicht auf die empfohlene Menge, ist ein Calciumpräparat sinnvoll. Ob das bei deinem Kind so ist, rechnet eine Ernährungsfachkraft oder deine Kinderarztpraxis aus.

    Quelle: GPA 2025; DGAKI 2021; DGE 2024

  • Vitamin D

    Diese Frage stellt sich bei allen Kindern, nicht nur bei allergischen: Vitamin D bildet der Körper vor allem über die Haut, wenn die Sonne scheint, und im Winter klappt das in Deutschland kaum. Ob Kinder deshalb ein Präparat brauchen, sehen Fachleute unterschiedlich. Manche raten nur dazu, wenn ein Kind wenig Sonne abbekommt, andere grundsätzlich. Frag deine Kinderarztpraxis, was für dein Kind passt.

    Quelle: DGE 2025; DGKED 2018

  • Jod, wenn Fisch und Milch fehlen

    Jod ist bei vielen Kindern in Deutschland knapp, ganz unabhängig von einer Allergie. Fallen Seefisch oder Milch weg, wird es noch enger, denn beide sind die wichtigsten Jodquellen. Jodsalz im Haushalt gleicht das meistens aus. Wird bei euch wenig selbst gekocht oder isst dein Kind kaum Brot, sprich mit deiner Kinderarztpraxis über ein Jodpräparat.

    Quelle: BfR Jodzufuhr, BfR 2022

In der Regel nicht nötig

Diese beiden Präparate braucht dein Kind normalerweise nicht.

  • Multivitaminpräparate

    Bei einer Allergie fehlt gezielt das, was im weggelassenen Lebensmittel steckte, nicht alles auf einmal. Ein Multivitaminpräparat enthält deshalb meist vieles, was dein Kind ohnehin bekommt und oft zu wenig von dem, worauf es ankommt. Besser ist ein einzelnes Präparat für genau den Nährstoff, der fehlt.

    Quelle: BfR 2024; GPA 2025

  • Präparate ohne zu wissen, was fehlt

    Fällt Milch weg, liegt der Griff zum Calciumpräparat nahe. Oft ist die Lücke über Ersatzlebensmittel aber längst geschlossen. Lass deshalb erst prüfen, wie viel dein Kind tatsächlich bekommt, und entscheide dann. Bei Sorge um die Versorgung ist die Kinderarztpraxis die erste Adresse.

    Quelle: BfR 2024; GPA 2025

07 · Unterstützung

Wann solltest du dir Unterstützung holen?

Am besten gleich nach der Diagnose. Eine Ernährungsfachkraft mit Allergie-Erfahrung ist hier der wichtigste Ansprechpartner, besonders bei Kuhmilchallergie, bei mehreren Allergien und bei kleinen Kindern. In die Kinderarztpraxis gehört es, wenn dein Kind langsamer wächst und für die Frage, ob die Allergie noch besteht.

Unterstützung

Deine Ansprechpartner

Hier bekommst du Unterstützung.

  • Ernährungsfachkraft

    Gleich nach der Diagnose

    Warte nicht, bis etwas auffällt. Eine Ernährungsfachkraft hilft dir dabei, den Speiseplan von Anfang an so umzustellen, dass nichts fehlt. Besonders lohnt sich das bei einer Kuhmilchallergie, weil dort die meisten Nährstoffe auf einmal wegfallen. Achte darauf, dass die Fachkraft Erfahrung mit Allergien hat, zum Beispiel eine Diätassistentin oder Ökotrophologin mit allergologischer Zusatzqualifikation.

    Quelle: DGAKI 2021; GPA 2025

  • Ernährungsfachkraft

    Wenn mehrere Lebensmittel wegfallen

    Ab drei gemiedenen Lebensmitteln wird es unübersichtlich und genau dann zeigen Untersuchungen Probleme beim Wachstum. Lass dir in diesem Fall auf jeden Fall helfen, den Speiseplan zusammenzustellen.

    Quelle: Journal of Human Nutrition and Dietetics 2014; GPA 2025

  • Ernährungsfachkraft

    Bei Säuglingen und Kleinkindern

    Kleine Kinder brauchen im Verhältnis zu ihrer Größe besonders viele Nährstoffe und haben die wenigsten Ausweichmöglichkeiten. Deshalb ist in diesem Alter eine Begleitung besonders wichtig. Das gilt auch, wenn du stillst und selbst ein Lebensmittel weglässt.

    Quelle: GPA 2025; Gesund ins Leben, BZfE 2022

  • Kinderarztpraxis

    Wenn dein Kind langsamer wächst oder abnimmt

    Das gehört zeitnah in die Kinderarztpraxis. Dort wird eingeordnet, ob die Ernährung dahintersteckt oder etwas anderes. Auch wenn dein Kind über längere Zeit auffällig wenig isst, lohnt sich der Anruf.

    Quelle: GPA 2025; DGAKI 2021

  • Kinderarztpraxis

    Für die regelmäßige Überprüfung

    Viele Allergien verwachsen sich. Bei kleinen Kindern mit Milch- oder Eiallergie wird deshalb etwa alle sechs bis zwölf Monate geprüft, ob die Allergie noch besteht, bei älteren Kindern alle zwölf bis achtzehn Monate. Frag in der Praxis nach, wann der nächste Test ansteht.

    Quelle: DGAKI 2021; Gesund ins Leben, BZfE 2022

08 · Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wähl die Frage aus, die dich betrifft.

Welche Nährstoffe können meinem Kind bei einer Lebensmittelallergie fehlen?

Genau die, die im weggelassenen Lebensmittel steckten. Fällt Kuhmilch weg, sind es vor allem Calcium, Jod, Vitamin B2 und B12. Bei Fisch geht es um Jod und Omega-3-Fettsäuren, bei Weizen um Ballaststoffe, B-Vitamine und Eisen. Bei Ei, Soja und Nüssen ist der Verzicht nährstofflich am unkompliziertesten, weil dieselben Nährstoffe auch in vielen anderen Lebensmitteln stecken.

Quelle: GPA 2025; DGE 2024

Bekommt mein Kind trotz Lebensmittelallergie alle wichtigen Nährstoffe?

Meistens ja. Entscheidend ist, dass an die Stelle des fehlenden Lebensmittels etwas Gleichwertiges rückt. In Studien, in denen Familien fachlich beraten wurden, aßen die Kinder trotz Diät genauso gut wie andere. Schwieriger wird es, wenn mehrere Lebensmittel gleichzeitig wegfallen oder wenn aus Vorsicht mehr gestrichen wird als nötig.

Quelle: GPA 2025; Journal of Human Nutrition and Dietetics 2014

Was kann mein Kind als Ersatz essen, wenn es bestimmte Lebensmittel nicht verträgt?

Das hängt vom Lebensmittel ab. Für Milch eignen sich Sojadrink mit Calciumzusatz, calciumreicher Tofu, Grünkohl und calciumreiches Mineralwasser. Statt Weizen gehen Hafer, Hirse, Mais, Reis und Kartoffeln. Fällt Ei weg, übernehmen Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Hülsenfrüchte. Ohne Fisch ist Jodsalz die wichtigste Jodquelle.

Quelle: GPA 2025; DGAKI 2021; BfR Jodzufuhr, BfR 2022

Wie bekommt mein Kind bei einer Kuhmilchallergie genug Calcium?

Über mehrere Quellen zusammen. Ein Glas Sojadrink mit Calciumzusatz liefert etwa 240 mg, eine Portion Grünkohl rund 250 mg, eine Scheibe calciumreicher Tofu etwa 90 mg. Dazu kommt calciumreiches Mineralwasser, das sind Sorten mit mehr als 150 mg Calcium pro Liter. Ob dein Kind damit auf die empfohlene Menge kommt, rechnet eine Ernährungsfachkraft aus. Falls nicht, ist ein Calciumpräparat sinnvoll.

Quelle: DGAKI 2021; GPA 2025; MRI 2025

Brauchen Kinder mit Lebensmittelallergien Nahrungsergänzungsmittel?

In der Regel nicht, solange das fehlende Lebensmittel gut ersetzt wird. Ein Thema können drei Dinge werden: Calcium, wenn Milchprodukte wegfallen und die Menge über Lebensmittel nicht zusammenkommt, sowie Jod und Vitamin D, die bei vielen Kindern ohnehin knapp sind. Ein Multivitaminpräparat ist dagegen selten passend, weil bei einer Allergie gezielt einzelne Nährstoffe fehlen und nicht alles auf einmal.

Quelle: GPA 2025; BfR 2024; BfR Jodzufuhr, BfR 2022

Kann eine Lebensmittelallergie bei Kindern zu Nährstoffmangel führen?

Sie kann, aber nicht durch die Allergie selbst. Problematisch wird es, wenn Lebensmittel ersatzlos wegfallen oder ohne ärztliche Diagnose gestrichen werden. In britischen Untersuchungen wuchsen etwa 9 bis 11 % der Kinder mit Nahrungsmittelallergie langsamer, betroffen waren vor allem Kinder mit mehreren Allergien. Wird der Speiseplan bewusst umgestellt, lässt sich das vermeiden.

Quelle: Journal of Human Nutrition and Dietetics 2014; GPA 2025; Gesund ins Leben, BZfE 2022

Was muss ich bei mehreren Lebensmittelallergien beachten?

Hier lohnt sich Unterstützung auf jeden Fall. Ab drei gemiedenen Lebensmitteln fehlen schnell mehrere Nährstoffe gleichzeitig, und genau in dieser Gruppe zeigen Untersuchungen die meisten Probleme beim Wachstum. Eine Ernährungsfachkraft mit Allergie-Erfahrung stellt mit dir einen Speiseplan zusammen, der trotzdem alles abdeckt. Lass außerdem regelmäßig prüfen, ob wirklich noch alle Lebensmittel wegbleiben müssen.

Quelle: Journal of Human Nutrition and Dietetics 2014; GPA 2025; DGAKI 2021

Register

Quellen dieses Artikels

Referenzwerk

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr Vitamin D

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 3. Auflage, 1. Ausgabe, 2025

Öffnen
Referenzwerk

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr Jod

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 3. Auflage, 1. Ausgabe, 2025. Neu gefasst September 2025

Öffnen
Referenzwerk

Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr Calcium

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), 3. Auflage, 1. Ausgabe, 2025

Öffnen
Stellungnahme

Vegane Kostformen aus allergologischer Sicht

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Reese I, Schäfer C, Ballmer-Weber B, Beyer K, Dölle-Bierke S, van Dullemen S, Jappe U, Müller S, Schnadt S, Treudler R, Worm M, 2023. Positionspapier der Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der DGAKI. Allergologie 2023; 46(4): 225–254. DOI 10.5414/ALX02400

Öffnen
Stellungnahme

Verwendung pflanzenbasierter Milchalternativen bei Kindern

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Bührer C, Ensenauer R, Jochum F, Kalhoff H, Koletzko B, Lawrenz B, Mihatsch W, Posovszky C, Rudloff S, Ernährungskommission der DGKJ, 2024. Stellungnahme der Ernährungskommission der DGKJ. Monatsschr Kinderheilkd 2024; 172(9): 812–816. DOI 10.1007/s00112-024-01979-9

Öffnen
Stellungnahme

Kuhmilch(-produkte) und pflanzliche Milchalternativen in einer nachhaltigeren Ernährung

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Richter M, Schäfer AC, Alexy U, Conrad J, Watzl B, 2024. DOI 10.4455/eu.2024.043

Öffnen
Stellungnahme

BfR Jodzufuhr — Rückläufige Jodzufuhr in der Bevölkerung: Modellszenarien zur Verbesserung der Jodaufnahme bei Kindern und Jugendlichen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2022

Öffnen
FAQ / Fragen und Antworten

Nahrungsergänzungsmittel für Kinder – (k)eine gute Idee?!

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 2024

Öffnen
Stellungnahme

Vitamin-D-Supplementierung jenseits des zweiten Lebensjahres

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) / Deutsche Gesellschaft für Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED), Reinehr T, Schnabel D, Wabitsch M, et al., 2018. Monatsschrift Kinderheilkunde 2018;166(9):814–822. DOI 10.1007/s00112-018-0502-6

Öffnen
Leitlinie

Gesund ins Leben — Ernährung und Bewegung im Kleinkindalter, Aktualisierte Handlungsempfehlungen

Netzwerk Gesund ins Leben (BZfE), Abou-Dakn M, Alexy U, Beyer K, et al., 2022. Monatsschrift Kinderheilkunde 2023;171:7–27. DOI 10.1007/s00112-022-01519-3

Öffnen
Datenbank

Bundeslebensmittelschlüssel (BLS) 4.0

Max Rubner-Institut (MRI), Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, Version 4.0, 2025. 7.140 Lebensmittel mit jeweils bis zu 138 Nährstoffangaben

Öffnen
Leitlinie / Konzept

Update Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), Worm M, Reese I, Ballmer-Weber B, Beyer K, Bischoff SC, Bohle B, Brockow K, Claßen M, Fischer PJ, Hamelmann E, Jappe U, Kleine-Tebbe J, Klimek L, Koletzko B, Lange L, Lau S, Lepp U, Mahler V, Nemat K, Raithel M, Saloga J, Schäfer C, Schnadt S, Schreiber J, Szépfalusi Z, Treudler R, Wagenmann M, Werfel T, Zuberbier T, 2021. S2k-Leitlinie der DGAKI, AWMF-Registernummer 061-031, Stand 30.06.2021, Gültigkeit am 11.02.2025 verlängert bis 29.06.2026, in Überarbeitung. Allergologie 2021; 44(7): 488–541. AWMF 061-031, DOI 10.5414/ALX02257

Öffnen
Übersichtsarbeit

Gefahr der Mangelernährung bei Nahrungsmittelallergien

Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA), Lenhartz H, Sommerburg O, 2025. Pädiatrische Allergologie in Klinik und Praxis 2025; Heft 1: 6–12, Tabelle 2 zu kritischen Nährstoffen je Allergen

Öffnen
Leitlinie / Konzept

Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), Felber J, Bläker H, Fischbach W, Koletzko S, Laaß M, Lachmann N, Lorenz P, Lynen P, Reese I, Scherf K, Schuppan D, Schumann M, 2022. S2k-Leitlinie, Stand Dezember 2021, AWMF-Registernummer 021-021. Z Gastroenterol 2022; 60: 790–856

Öffnen

Wer diese Seite verfasst hat

Simone Kotthoff

Autorin

HACCP-Beauftrage, mehrjährige Erfahrung in der Branche für Nahrungsergänzungsmittel