45,6 %
Ein erheblicher Teil der Jungen erreicht den Vitamin-D-Referenzwert nicht
45,6 % unter 50 nmol/l
Vitamin D ist wichtig für die Knochen, die Muskeln und das Immunsystem deines Kindes. Der Körper bildet es überwiegend selbst, wenn die Haut Sonnenlicht abbekommt (genauer: bestimmte Sonnenstrahlen, UV-B). Im ersten Lebensjahr raten Fachgesellschaften, allen Kindern Vitamin D zusätzlich zu geben. Ab dem zweiten Lebensjahr gilt das nicht mehr pauschal, wie viel sinnvoll ist, hängt dann vom Hauttyp, vom Aufenthalt im Freien und von der Jahreszeit ab.
01 · Grundlage
Vitamin D nimmt eine Sonderrolle ein: Der Körper stellt es selbst her, sobald genug UV-B-Strahlung auf die Haut trifft. Über das Essen kommt nur ein kleiner Teil dazu, weil kaum ein Lebensmittel nennenswerte Mengen enthält.
Entscheidend ist der Sonnenstand. Von April bis September steht die Sonne in Deutschland hoch genug, damit die Haut Vitamin D bilden kann. Zwischen Oktober und März reicht die Strahlung dafür nicht aus, unabhängig davon, wie lange ein Kind draußen ist.
Der Körper legt in den Sommermonaten einen Vorrat an, der einen Teil des Winters überbrückt. Wie lange er reicht, hängt davon ab, wie viel Zeit ein Kind im Sommer im Freien verbracht hat und wie hell oder dunkel seine Haut ist. Bei dunklerer Haut dauert die Bildung länger, weil das Pigment einen Teil der Strahlung abfängt.
Daraus folgt ein Muster, das es bei keinem anderen Nährstoff gibt: Die Versorgung schwankt über das Jahr, und die niedrige Zufuhr über Lebensmittel ist kein Hinweis auf einen Mangel.
Quellen: DGE 2025; BfR 2024; Springer 2025
02 · Bedarf
Der Referenzwert der DGE ist ein Schätzwert für den Fall, dass keine Eigensynthese stattfindet, also für das Winterhalbjahr. Er ist damit bewusst hoch angesetzt und nicht als Tagesziel für den Sommer zu verstehen.
Wie viel Vitamin D braucht mein Kind?
Die folgende Tabelle zeigt die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für Vitamin D nach Altersgruppe.
| Altersgruppe | pro Tag | in IE |
|---|---|---|
| 0 bis unter 12 Monate | 10 µg | 400 IE |
| 1 bis unter 15 Jahre | 20 µg | 800 IE |
| 15 bis unter 65 Jahre | 20 µg | 800 IE |
Im ersten Lebensjahr ist die tägliche Gabe von 400–500 IE eine generelle Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und Teil der bundesweiten Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben. Sie wird üblicherweise bis zum zweiten erlebten Frühsommer fortgeführt — je nach Geburtsmonat sind das 12 bis 18 Monate.
Quelle:DGE 2025
03 · Versorgungslage
Vitamin D nimmt eine Sonderstellung ein: Der größte Teil entsteht nicht durch die Ernährung, sondern durch die UV-B-bedingte Eigensynthese in der Haut. In Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung von Oktober bis März dafür nicht aus. Die Versorgungslücke ist also nicht primär eine Ernährungsfrage, sondern eine geografisch-saisonale.
Die Hauptquelle für Vitamin D ist die Eigensynthese in der Haut unter UV-B-Einstrahlung. Deutschland liegt zwischen dem 47. und 55. Breitengrad — von Oktober bis März steht die Sonne zu tief, sodass die UV-B-Strahlung für die Synthese nicht ausreicht. Speicher aus dem Sommer können die Lücke teilweise überbrücken, reichen aber bei vielen Kindern nicht über den gesamten Winter.
Hinzu kommt die niedrige Verfügbarkeit über Lebensmittel: Fetter Seefisch, Eigelb und einige Pilze sind die Hauptquellen, werden von Kindern aber selten in Mengen gegessen, die den DGE-Schätzwert von 20 µg pro Tag erreichen. Im 1. Lebensjahr erhalten Säuglinge in Deutschland standardmäßig eine Vitamin-D-Prophylaxe — danach endet diese routinemäßige Versorgung, ohne dass die saisonale Lücke verschwindet.
45,6 %
Ein erheblicher Teil der Jungen erreicht den Vitamin-D-Referenzwert nicht
45,6 % unter 50 nmol/l
38,4 %
Ein erheblicher Teil der Mädchen erreicht den Vitamin-D-Referenzwert nicht
38,4 % unter 50 nmol/l
Im Winterhalbjahr erreicht ein erheblicher Teil der Kinder in Deutschland den Vitamin-D-Referenzwert nicht.
04 · Funktion
Vitamin D wird oft auf „das Knochen-Vitamin" reduziert — tatsächlich ist es an deutlich mehr Funktionen im Körper beteiligt. Vor allem im Wachstumsalter sind diese Wirkungen relevant, weil viele dieser Prozesse gerade dann besonders gefragt sind.
Vitamin D ist zentral für den Knochenstoffwechsel. Es sorgt dafür, dass Calcium aus der Nahrung im Darm aufgenommen und in die Knochen eingebaut wird. Bei Kindern ist Vitamin D besonders wichtig, weil die Knochen während des Wachstums an Festigkeit gewinnen müssen. Ein langfristiger Vitamin-D-Mangel kann zu einer Erweichung der Knochen führen — bei Kindern als Rachitis bekannt.
Zugelassene Angabe
„Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei."
Artikel 13: Allgemeine Funktions-Claims
EFSA 2009
Vitamin D unterstützt die Funktion verschiedener Immunzellen, insbesondere von T-Zellen und Makrophagen. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Werten und einer erhöhten Anfälligkeit für Atemwegsinfekte. Eine ausreichende Versorgung trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
Zugelassene Angabe
„Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei."
Artikel 13: Allgemeine Funktions-Claims
EFSA 2010
Vitamin D ist an mehreren wichtigen Prozessen im Körper deines Kindes beteiligt — von Knochengesundheit über Immunsystem bis zur Muskelfunktion. Diese Wirkungen sind durch zugelassene EFSA-Aussagen wissenschaftlich abgesichert.
05 · Lebensmittel
Über die Ernährung lässt sich der Vitamin-D-Bedarf nur schwer decken. Selbst eine ausgewogene Mischkost liefert in der Regel nicht mehr als 2–4 µg pro Tag, während der DGE-Schätzwert bei 20 µg liegt. Das erklärt, warum die Eigensynthese über Sonnenlicht so wichtig ist — und warum im Winterhalbjahr eine Versorgungslücke entsteht.
Die DGE-Schätzwerte gehen davon aus, dass etwa 80–90 % des Vitamin-D-Bedarfs über die Eigensynthese in der Haut gedeckt werden — die Ernährung trägt nur etwa 10–20 % bei. Lachs und Hering sind die einzigen alltäglichen Lebensmittel, die in einer Portion einen nennenswerten Anteil des Tagesbedarfs abdecken. UV-belichtete Pilze und mit Vitamin D angereicherte Pflanzendrinks sind besonders für Kinder relevant, die keinen Fisch essen oder sich vegan ernähren.
Quellen: MRI 2025
Anteil am Referenzwert
Nur in Vitamin-D-angereicherten Sorten
Nährwerte:MRI 2025 · Referenzwerte: DGE 2025
Vitamin D kommt nur in wenigen Lebensmitteln in nennenswerten Mengen vor — primär in fettem Seefisch.
06 · Ergänzung
Ob eine Vitamin-D-Gabe für dein Kind sinnvoll ist, entscheidet die kinderärztliche Praxis. Was diese Seite leisten kann: die Fälle benennen, in denen das Gespräch fachlich naheliegt, und die, in denen es das nicht tut.
Vier Punkte zu Einnahme und Kombination. Sie ersetzen nicht die Dosierungsanweisung des jeweiligen Präparats.
Einnahme
Zu einer Mahlzeit mit etwas Fett geben, weil Vitamin D fettlöslich ist und so besser aufgenommen wird.
Rhythmus
Tägliche kleine Mengen sind wöchentlichen Hochdosen vorzuziehen. Ein vergessener Tag wird nicht am nächsten doppelt gegeben.
Gesamtzufuhr
Die Höchstmenge gilt für alle Quellen zusammen. Angereicherte Frühstücksflocken und Pflanzendrinks zählen mit.
Kombination
Ein Zusatz von Vitamin K2 ist bei kindgerechten Mengen nicht erforderlich. Bei Medikamenten, die den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen, entscheidet die behandelnde Praxis.
Quellen: DGE 2025; BfR 2024; Springer 2025
07 · Sicherheit
Vitamin D ist fettlöslich und wird im Körper gespeichert. Ein Überschuss wird also nicht wie bei wasserlöslichen Vitaminen über die Nieren ausgeschieden. Deshalb ist die Höchstmenge hier eine relevante Größe.
Über die Sonne entsteht dabei kein Risiko. Der Körper begrenzt die Bildung in der Haut selbst, unabhängig davon, wie lange ein Kind draußen ist. Sonnenbrand bleibt ein eigenes Thema.
Über Präparate ist eine Überdosierung dagegen möglich. Bei Produkten, die sich an den Werten für Kinder orientieren, ist das Risiko gering. Höher ist es bei hochdosierten Produkten aus dem Ausland und bei Verwechslungen in der Dosierung. Wenn nach dem Start eines Präparats neue Beschwerden auftreten, gehört das ärztlich abgeklärt.
Quellen: EFSA 2006; BfR 2024
Höchstmenge nach Alter
| 0 bis 6 Monate | 25 µg |
|---|---|
| 6 bis 12 Monate | 35 µg |
| 1 bis 10 Jahre | 50 µg |
| 11 bis 17 Jahre | 100 µg |
08 · Häufige Fragen
Wähl die Frage aus, die dich betrifft.
Nein. Ob ein Kind zusätzlich Vitamin D benötigt, hängt vom Alter, der Jahreszeit, der Sonnenexposition und individuellen Risikofaktoren ab. Für Säuglinge wird Vitamin D im ersten Lebensjahr grundsätzlich empfohlen. Bei älteren Kindern ist eine Supplementierung nicht immer notwendig. Entscheidend ist, ob ausreichend Vitamin D über Sonnenlicht gebildet werden kann und ob besondere Risikofaktoren vorliegen.
Ja. Der Vitamin-D-Status kann durch eine Blutuntersuchung bestimmt werden. Ein Test kann sinnvoll sein, wenn ein ärztlicher Verdacht auf einen Mangel besteht oder besondere Risikofaktoren vorliegen. Ob eine Untersuchung notwendig ist, sollte mit dem Kinderarzt besprochen werden.
Nicht unbedingt. In Deutschland kann der Körper Vitamin D vor allem in den sonnenreichen Monaten selbst bilden. In den Herbst- und Wintermonaten ist die körpereigene Produktion deutlich eingeschränkt. Ob eine ganzjährige Einnahme sinnvoll ist, hängt von Faktoren wie Alter, Aufenthaltsdauer im Freien, Hauttyp und individuellen Risikofaktoren ab.
Für gesunde Kinder gibt es derzeit keine allgemeine Empfehlung, Vitamin D grundsätzlich mit Vitamin K2 zu kombinieren. Ob eine zusätzliche Einnahme sinnvoll ist, hängt von der individuellen Situation ab. Die meisten offiziellen Empfehlungen zu Vitamin D beziehen sich auf Vitamin D selbst und nicht auf eine verpflichtende Kombination mit Vitamin K2.
Ja, allerdings nur in begrenzten Mengen. Vitamin D kommt natürlicherweise vor allem in fettem Seefisch, Eigelb und einigen Pilzen vor. Für viele Kinder reicht die Aufnahme über die Ernährung allein nicht aus, um den empfohlenen Bedarf vollständig zu decken. Die wichtigste natürliche Quelle bleibt deshalb die Bildung in der Haut durch Sonnenlicht.
Ein Vitamin-D-Mangel verursacht oft keine eindeutigen Beschwerden. Mögliche Anzeichen können Müdigkeit, Muskelschwäche oder Veränderungen des Knochenstoffwechsels sein. Da diese Symptome viele Ursachen haben können, lässt sich ein Mangel nicht allein anhand von Beschwerden feststellen. Klarheit kann nur eine ärztliche Untersuchung schaffen.
Ja. Vitamin D ist fettlöslich und kann sich bei dauerhaft zu hoher Aufnahme im Körper anreichern. Deshalb sollten Präparate immer entsprechend der empfohlenen Dosierung verwendet werden. Wer unsicher ist, sollte die Einnahme mit dem Kinderarzt besprechen.
Ein erhöhtes Risiko können unter anderem Säuglinge, Kinder mit wenig Aufenthalt im Freien, Kinder mit dunkler Hautfarbe, stark bedeckender Kleidung oder bestimmten Erkrankungen haben. Auch in den Wintermonaten kann die Vitamin-D-Versorgung schwieriger sein. Ob tatsächlich ein Mangel vorliegt, lässt sich jedoch nur individuell beurteilen.
Der Ernährungskompass prüft in acht Fragen zu Alter, Essgewohnheiten und Aufenthalt im Freien, ob Vitamin D bei euch überhaupt zu den relevanten Nährstoffen zählt. Und sagt es auch, wenn nicht.
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